Wohnen im Zeitraffer 2016-2026: Boom, Zinswende, Wohnungsnot

Wien (OTS) – Im Februar 2016 wurde die Kooperation „Raiffeisen
Immobilien
Österreich“ aus der Taufe gehoben. Zum 10-jährigen Jubiläum zieht
Raiffeisen Immobilien Österreich Bilanz eines bewegten
Immobilienjahrzehnts – und sieht neue Herausforderungen auf den Markt
zukommen.

Aus Anlass ihres zehnjährigen Gründungsjubiläums ließ Raiffeisen
Immobilien Österreich (RIÖ), die Immobilienmakler-Organisation der
österreichischen Raiffeisenbanken, bei einem Pressegespräch am
17.03.2026 die wichtigsten Entwicklungen am heimischen Markt der
vergangenen zehn Jahre Revue passieren. „Pandemie, Boomjahre,
Zinskrise, Inflation – der heimische Wohnimmobilienmarkt hatte in den
vergangenen zehn Jahren einige Stürme zu überstehen. Aber Raiffeisen
Immobilien Österreich hat sich als mehr als seetüchtig erwiesen.
Gemeinsam mit unseren Kolleg:innen haben wir die multiplen Krisen
nicht nur gut bewältigt. Wir konnten sogar deutlich wachsen und viele
wichtige Projekte umsetzen – von der gemeinsamen Software über
österreichweit einheitlichen Qualitätsstandards bis zur nationalen
Raiffeisen Immobilien Akademie für Mitarbeitende.“, ziehen die
Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich, Ing. Mag. (FH) Peter
Weinberger und Prok. Peter Mayr, ein positives Resümee. Seit ihrer
Gründung steigerte die RIÖ-Gruppe ihren Honorarumsatz um 36 % auf
mittlerweile Ꞓ 37 Mio. und ist damit der führende Makler-Verbund
Österreichs. Der Wert der in diesem Zeitraum in Österreich verkauften
Immobilien wuchs um 11 % von Ꞓ 18 Mrd. auf Ꞓ 20 Mrd.

Zwtl.: Veränderungen im Nachfrageverhalten – kleinere Einheiten
gefragt

Auch die Einstellung der Menschen zum Wohnen und ihre Bedürfnisse
haben sich im Laufe des vergangenen Jahrzehnts geändert. Die
Erfahrungen der Corona-Pandemie mit Lockdowns und Social Distancing
ließ die Bedeutung des eigenen Zuhauses noch wachsen. Platz für
Homeoffice und Freiflächen wie Garten, Terrasse oder zumindest ein
Balkon wurden zu neuen, fixen Standards bei der Immobiliensuche. War
etwa noch 2018 der Garderoberaum der gefragteste Nebenraum, führte
2024 unangefochten das Arbeitszimmer: 66 % gaben in einer
repräsentativen Umfrage 1) an, sich ein Homeoffice im eigenen Zuhause
zu wünschen.

Und obwohl statistisch gesehen die durchschnittliche Wohnfläche
seit 2016 leicht angestiegen ist (von 99 auf 102 m2 in 2024,
Statistik Austria), sehen die Expert:innen von Raiffeisen Immobilien
auch einen gegenläufigen Trend: „Aktuell sind wieder kleinere, weil
leistbarere Einheiten gefragt, vor allem in urbanen Gebieten.“
erläuterte Peter Weinberger.

Zwtl.: Leistbarkeit verschärft und entspannt sich wieder

Im Zuge der Preiszuwächse in den Boomjahren 2019 bis 2022
verschärfte sich die Leistbarkeit: Laut einer Analyse von Raiffeisen
Research musste man im Jahr 2016 knapp über sieben Jahres-Netto-
Haushaltseinkommen für den Kauf eines durchschnittlichen
Einfamilienhauses aufwenden. Nur sechs Jahre später, im Jahr 2022,
waren dafür bereits mehr als zehn Netto-Haushaltseinkommen notwendig.
Die steigenden Haushaltseinkommen führten jedoch, im Verein mit den
moderaten Preisrückgängen der Jahre 2023/24, zu einer Entspannung.
Für 2025 wird ein Wert von 7,6 Jahres-Netto-Haushaltseinkommen
erwartet, was nur mehr leicht über dem Wert von 2016 liegt.

Zwtl.: Wohnbau im freien Fall

Die Branche erlebt derzeit eine der stärksten Wohnbaurezession
der Nachkriegsgeschichte. Wohnbauinvestitionen und
Fertigstellungszahlen gingen dramatisch zurück. Seit dem Höhepunkt
der Krise 2022 sind die Wohnbauinvestitionen lt. Raiffeisen Research
um 20 % gesunken und es ist kein Ende in Sicht. Besonders dramatisch
ist diese Entwicklung in Ballungsräumen wie Wien oder Salzburg. Denn
hier trifft das stark schrumpfende Neubau-Angebot auf eine
kontinuierlich wachsende Nachfrage. Weinberger: „ Österreichs Städte
steuern auf eine Wohnungsnot zu, wie wir sie aus europäischen
Großstädten wie Berlin oder München kennen. Mehr Wohnungsneubau wäre
daher dringend notwendig .“

Zwtl.: Ab 2027 droht Stillstand des gewerblichen Wohnbaus

Doch auf den gewerblichen Wohnungsneubau kommt noch weiteres
Ungemach zu. Der Systemrisikopuffer, den heimische Banken für
gewerbliche Immobilienkredite (Commercial-Real-Estate, CRE)
hinterlegen müssen, wird ab Juli 2026 von 1 % auf 2 % sowie auf 3,5 %
im Folgejahr erhöht. Die realwirtschaftlichen Folgen dieser Vorgabe
seitens der Finanzmarktaufsicht sind gravierend: Die
Finanzierungskosten für Wohnbauträger werden sich substanziell
erhöhen, denn die 2 % bzw. 3,5 % kommen „on-top“ zur bereits
bestehenden Eigenkapitalhinterlegung der Banken hinzu, die bereits
jetzt die Vergabe von Krediten für Wohnbauprojekte deutlich bremst.
Die Finanzierung von Wohnbauprojekten wird dadurch massiv verschärft
oder sogar verunmöglicht – und das in einer Situation, in der der
Markt dringend nach mehr statt weniger Neubau verlangt. Ab 2027 droht
folglich ein faktischer Stillstand im gewerblichen Wohnbau. Peter
Weinberger: „Leidtragende sind nicht nur Investor:innen, sondern auch
und vor allem Wohnungssuchende: Noch weniger Angebot als schon bisher
wird zu weiter steigenden Preisen und Mieten führen, und die
Inflation neuerlich anheizen – genau das Gegenteil dessen, was
eigentlich erreicht werden soll.“ Kredite für private „Häuslbauer“
sind davon nicht betroffen.

Die Auswirkungen für die Volkswirtschaft wären bedrohlich: Am
Wohnbau hängen ganze Branchen, von der Bauindustrie über das
Baunebengewerbe bis zu Immobiliendienstleistungen und der
Möbelindustrie. 30 % des Bruttoinlandsproduktes entfallen auf die
Immobilienwirtschaft im weitesten Sinn. Auch aus sozialpolitischer
Sicht ist Wohnbau von enormer Bedeutung, gehen doch mit Wohnungsnot
vielfältige soziale Probleme einher. „Hier zur Unzeit mit
ungeeigneten Maßnahmen einzugreifen, kann verheerende Folgen haben.“,
warnt Peter Mayr.

Zwtl.: Konstruktive Lösungsvorschläge gefragt: Deregulieren und
Investitionen fördern

Was müsste also getan werden, damit Wohnen leistbar bleibt? In
erster Linie ein Ankurbeln der Neubautätigkeit. Eine wichtige
Voraussetzung dafür ist der Abbau bzw. die Rücknahme regulatorischer
Einschränkungen – siehe oben – und eine Verkürzung der
Verfahrensdauer: Derzeit benötigt man in Wien für die Erlangung einer
Baubewilligung im Durchschnitt zwei Jahre. Weinberger: „ Auch
steuerliche Impulse könnten Investitionen in den Wohnbau wieder
wirtschaftlicher machen, wie z.B. die Verkürzung des Vorsteuer-
Berichtigungszeitraumes von 20 auf 10 Jahre, oder die
Wiedereinführung der Absetzbarkeit von Finanzierungszinsen für
Eigennutzer .“